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Allem folgt sein Gegenteil wie der Schatten
dem Licht -
Thengis Rionis Bilderwelten zwischen Exotik und Philosophie
Der georgische Maler und Bildhauer Thengis wählte als Name
den Fluss Rioni, der durch seinen Geburtort fließt. Rioni
ist mehr als nur ein Name, er ist ein Gleichnis. Heraklit
sagt, dass ein Mensch nicht zweimal in denselben Fluss steigen
kann. Die Eindeutigkeit des Augenblicks verwischt das fließende
Wasser wie die verfließende Zeit. So wie das weiche Wasser
des Flusses den Stein auflöst, so wirken Thengis Bilder auf
den Betrachter. Gelassenheit scheint aus diesen Bildern zu
sprechen, sie beruhigen die Sinne, um den Geist nachdenklich
werden zu lassen. Sie verbergen mehr als der erste Augenschein
verrät.
Das Geheimnis dieser Bilder offenbart sich, wenn ihre Magie
auf den Betrachter zu wirken beginnt. Ihr Rätsel ist das Rätsel
allen Seins: die Ambivalenz, das Paradoxe, die Uneindeutigkeit,
das Verfließen. Allem folgt sein Gegenteil wie der Schatten
dem Licht.
Das helle Sonnenlicht, den feinen Wechsel der Jahreszeiten,
die üppige Natur und die warmen Farben seiner georgischen
Heimat finden wir in den Bilder von Thegis Rioni. Die Sinne
verfangen sich in der Magie des Fremden und Exotischen seiner
Porträts, Stilleben und Landschaftsbilder. Die Mandelaugen,
die intensive warme Farbigkeit, eine gewisse Stilisierung
verraten die Verwobenheit Thegis Rioni in der folkloristischen
Tradition Georgiens. Aber diese Anlehnung an die Tradition
ist zugleich durch den Einfluss der Moderne gebrochen. Die
Georgische Malerei hat bereits in den ersten Jahrzehnten des
20. Jahrhunderts Anschluss an die europäische Moderne gesucht
und gefunden. Dafür stehen die Malerin und der Maler Elena
Achwlediani (1898-1975) und Niko Pirosmani (1862-1918). Dieser
ästhetischen Moderne fühlt sich auch Thegis Rioni verpflichte.
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